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About Literature / Professional Member Nicolas ScheerbarthMale/Germany Recent Activity
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Vor einiger Zeit schrieb mir ein Bekannter einen sehr ausführlichen und tiefer gehenden Kommentar zu einer meiner Geschichten (Titel und Inhalt tun hier jetzt nichts zur Sache). In der Antwort kam ich darauf, einmal ein wenig zusammenzufassen, was mich generell antreibt, meine Geschichten – so und nicht anders – zu schreiben. Diese Grundgedanken wollte ich schon lange einmal zusammenfassen, und voilà, hier sind sie:

Meine Figuren wirken oft, als verhielten sie sich ungewöhnlich, ja unnatürlich vernünftig, und die paar Ausnahmen, die ich anführen könnte, mögen die Regel bestätigen. Wer das in meinen Geschichten herausliest ... und folglich das Fehlen emotionaler Achterbahnfahrten bemerkt ... hat schon recht. Doch ich möchte mich da mit einem Maler vergleichen: Franz Marc hat seine Pferde nicht braun, schwarz oder weiß gemalt, wie Pferde nun mal aussehen, sondern blau. Oder, direkter gesagt, ich will ganz bewusst keine reale Welt beschreiben.

Ich weiß, es ist heute in Literatur und Film üblich, ständig  ad infinitum die traurige Realität in allen Einzelheiten auszuleuchten. Es geht ewig und immer um Dramen und Probleme. Vom Alltagsleben und ‑leiden der zahllosen Geschiedenen und Verlassenen bis zu Migranten, Behinderten, Folteropfern, Hartz IV Familien und Messieeltern ... es ist einerlei, ob ich eine Nachrichtensendung anschalte, eine Dokusoap, Scripted Reality Serie oder einen hundsgewöhnlichen Krimi oder Spielfilm: Die narrativen Künste klammern sich an die traurige Realität, als sei mit diesem einen Thema bereits alles ausgefüllt, was es überhaupt geben kann. Und immer ist es die ganz alltägliche menschliche Unvernunft, die das Chaos auslöst.


Das finde ich ermüdend und, in dieser Masse gesehen, tödlich langweilig. Gerade das Thema Erotik erlaubt eine weitgehende Befreiung von diesem unerfreulichen Einerlei, denn hier erwartet niemand, das Geschilderte habe etwas mit Realität zu tun. Für mich ist die Erotik ein Vorwand ... nämlich, kleine Utopien zu erfinden. Eine Welt, in der Sex Spaß macht. In der Frauen so stark, aktiv und selbstbestimmt sind, wie ich sie mag. Und in der Partnerschaft nicht als Besitzstand aufgefasst wird, sondern als Verabredung zum Vergnügen. Man könnte das einen provokanten Positivismus nennen. Ich male blaue Pferde, weil ich das schön finde und weil ich als Schöpfer meiner Welten will, dass sie blau sind.

Außerdem sehe ich bei meinen Figuren gar nicht so sehr die Vernunft im Vordergrund. Für mich sind sie eher – mal mehr, mal weniger – gekennzeichnet durch die Abwesenheit herkömmlicher Moral, und das nicht nur in extremen Fällen wie "Liebe Mutter" mit dem Mutter-Tochter-Inzest. Meine Figuren sind nicht übermäßig vernünftig; sie sind vielmehr oft amoralisch bis auf die Knochen und folgen einfach ihren Trieben, statt sich mit lästigen Bedenken aufzuhalten.

Vermutlich bin ich in diesem Punkt auch sehr ein Geistes-Kind der 1970er, einer Zeit, in der es jedenfalls in bestimmten Zusammenhängen vorstellbar schien, so etwas wie sexuelle Befreiung und freie Sexualität zu erreichen – mit allen positiven und negativen Folgen. Ferner orientiere ich mich eher am Porno als am Erika-Roman. Will sagen, ich setze ganz bewusst auf eine Welt, in der immer alle "wollen" und "können", egal bei welcher Ausgangssituation. Der Unterschied besteht darin, dass ich annehme, dass dieses Immer-Wollen und -Können nur mit Spaß und innerer Zustimmung funktioniert. Meine Figuren handeln also nicht so, wie sie handeln, weil sie durch ihre Vernunft alle gegenstehenden Gefühle ausgeschaltet haben, sondern weil sie diese Gefühle gar nicht kennen. Blaue Pferde.


Abschließend noch ein Zitat aus einer Kritik zu "Liebesversuche", das sehr gut in Worte fasst, worauf es mir im Kern ankommt:

"Ich denke, dass die Selbstverständlichkeit, mit der die Figuren miteinander schlafen, wichtig ist und den Autor einzigartig macht. Er will nicht sagen 'Guckt mal, sie vögeln, und vögeln immer besser, immer schneller, immer härter – ist das nicht geil?!', sondern 'Sex ist schön. Wunderschön. Also: Tut es, und habt Spaß!'"
(Quelle _ evyswunderkiste.blogspot.de/se… )

 

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NicolasScheerbarth
Nicolas Scheerbarth
Artist | Professional | Literature
Germany

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Comments


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:iconmisakuroi:
MisaKuroi Mar 17, 2014  Hobbyist General Artist
Danke für den Favoriten!

hope that was right^^
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:iconnicolasscheerbarth:
NicolasScheerbarth Mar 17, 2014  Professional Writer
You're welcome! :)
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:iconnicolasscheerbarth:
NicolasScheerbarth Feb 17, 2014  Professional Writer
Gern geschehn :)
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:iconspooky-goes-insane:
Danke für die :+fav:'s und fürs watchen :hug:
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:iconnicolasscheerbarth:
NicolasScheerbarth Feb 7, 2014  Professional Writer
Gern geschehen. Ich finde deine Texte sehr interessant und auch sprachlich gut. Ich würd auch da und dort mal was Ausführlicheres schreiben, aber momentan bin ich etwas knapp mit der Zeit. :D
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:iconnicolasscheerbarth:
NicolasScheerbarth Feb 7, 2014  Professional Writer
Na klar doch ;)
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:icongb62da:
gb62da Jan 16, 2014  Hobbyist Photographer
Vielen Dank für den :+fav:! :)
Reply
:iconnicolasscheerbarth:
NicolasScheerbarth Jan 16, 2014  Professional Writer
Gern geschehn!
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